Wer macht denn jetzt weiter?

Blut ist dicker als Wasser. Dieses Credo gilt bei vielen Entscheidungen, die die Unternehmensnachfolge betreffen, noch immer. Die Tochter, der Sohn, die Enkel sollen die Familienfirma übernehmen. Das geht häufig nicht ohne Konflikte. Wie Du die Übergabe Deines Unternehmens konstruktiv gestalten kannst, verraten die Coaches und Berater Thomas & Thomas in ihrer aktuellen Podcast-Folge bei Permanent Change.

Geld oder Herzblut?

Als beratende Transaktionsanalytiker treffen Thomas Wehrs aus Berlin und Thomas Lorenzen aus Hamburg immer wieder auf Unternehmer, die ihre Firma an die nächste Generation übertragen wollen. Wollen – oder müssen. Häufig handelt es sich bei den erfolgreichen Gründern um Mitglieder der Generation Babyboomer mit Jahrgängen zwischen 1946 und 1964. Thomas Wehrs erklärt: „Menschen, die nach dem Krieg geboren wurden, mussten sehr viel Leistung erbringen, um Wohlstand zu entwickeln. Sie setzten jede freie Minute für ihr Unternehmen ein.“ Thomas Lorenzen hört oft den Satz: „Das ist mein Baby“, wenn es um die Übernahme der eigenen Firma geht. Deshalb tun sich die allermeisten Geschäftsführer:innen, Gründer:innen und Eigentümer in mittelständischen Unternehmen schwer, eine/n fremde/n Manager:in anzuheuern und das Ruder abzugeben. Es geht nicht nur ums Geld, es geht um Herzblut.

Verzögerte Entscheidung im Krisenmodus

Während die Babyboomer all ihre Energie auf der Arbeit ließen und Freizeit kaum kannten, legen die jüngeren Jahrgänge Wert auf eine Life Balance, in der Familie, Freunde und sie selbst Platz finden. Die Führung der eigenen Firma an diese nächste Generation abzugeben, Zeuge von Änderungen zu werden, gegebenenfalls Konflikte mit den eigenen Kindern oder Enkeln auszutragen – das ist für viele mit unangenehmen Gefühlen verbunden. Deshalb sind Krisen dankbare Gründe für eine Verzögerung dieser wichtigen Entscheidung. Pandemie, Krieg, Arbeitskräftemangel – jetzt ist Krisenmodus angesagt. Viele Baustellen müssen gleichzeitig bearbeitet werden. Das möchten Seniorchef oder Gründerin ungern delegieren. Was häufig dahintersteckt: Ein solch enormer Wandel im Unternehmen könnte in der Familie zu Unstimmigkeiten führen. Generationen prallen mit ihren unterschiedlichen Bezugsrahmen und Wertevorstellungen aufeinander. Wenn dann Kommunikation „nicht so die Komfortzone ist“, wie Thomas Lorenzen es ausdrückt, kann das schnell zu Konflikten führen.

Wege zur erfolgreichen Unternehmensnachfolge

Wie also übergeben Unternehmer ihr „Baby“ an die nächste Führungsriege? Thomas & Thomas haben zu diesem schwierigen Prozess einige Tipps zusammengetragen:

  • Realistischer Zeitplan: Unternehmensübergaben dauern drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum haben Planung, Personalgewinnung, Austausch über unterschiedliche Ansichten von Arbeit, der Firma und Work-Life-Balance Platz.
  • Gemeinsam planen: Es lohnt sich, ins Gespräch zu gehen, gegenseitige Erwartungen zu klären und gut in Kontakt zu sein. Das vermeidet Enttäuschungen.
  • Gegenseitig eine wertschätzende Haltung einnehmen: Unterschiedliche Generationen sind per Definition verschieden. Aus diesem Grund ist eine Ok/Ok-Haltung wichtig, d.h. eine Akzeptanz der Werte und Meinungen des Gegenübers. Sie setzt Offenheit, Vertrauen und Zutrauen voraus.
  • Unterschiedlichkeit als Mehrwert betrachten: Jüngere Generationen wurden beispielsweise in die Digitalität, in soziale Medien und Netzwerke hineingeboren. Das kann für unterschiedliche Meinungen sorgen, aber auch Chancen für das Unternehmen eröffnen.
  • Hilfe holen: Beratung und Moderation kann den komplizierten Prozess der Unternehmensübergabe erleichtern. Gerade auf der Ebenen der Kommunikation können Dritte einen wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis leisten.

Stehst auch Du vor der spannenden Herausforderung, eine Firma zu übernehmen? Oder ist es für Dich an der Zeit die Stafette weiterzugeben? Sprich uns bei Bedarf gerne an. Im Permanent Change Podcast besprechen wir alle zwei Wochen aktuelle Themen rund um den ständigen Wandel. Bleib dran!

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