Raus aus der Dauerbesorgnisschleife – Was stützt, stärkt und fördert mich?

Die sozialen Medien, die Schlagzeilen in den Zeitungen, die Meldungen im Fernsehen beschäftigen sich momentan vor allem mit den aktuellen Krisen: Kriegen, Krankheiten, Energieengpässen – alles ist schlimm und traurig. Auch wenn das natürlich so ist, bekommen wir das Gefühl, dass die Politik und die Medien zurzeit besonders mit der Angst spielen. Vielleicht hast auch du wie Thomas Lorenzen nach dem Urlaub das Radio angedreht und resignierend gedacht: Wird das denn nie mehr anders? In der neuesten Podcast-Folge besprechen Thomas & Thomas, was Angst mit uns macht, wozu sie gut ist und wie wir mit ihr umgehen können.

Die Angst, ein nützlicher Impuls

Schon unseren Vorfahren diente Angst als Werkzeug zum Überleben. Kommt der Säbelzahntiger des Weges, reagierten sie nicht etwa mit freundlichem Gruße, sondern mit Angst. Da hieß es weglaufen, totstellen oder kämpfen. Wer weiß, ob es den Homo Sapiens ohne die Existenz von Angst heute überhaupt geben würde. Sie versetzt uns in Alarmbereitschaft, wenn Gefahr droht. Sie soll uns vor (vermeintlichen) Bedrohungen schützen. Lange durften wir sie in unserer Gesellschaft allerdings nicht zeigen. Denn wer Angst hatte, galt als schwach. In der Transaktionsanalyse gilt Angst als eines der Grundgefühle, das genauso sehr sein darf wie Freude. Dabei bezieht sie sich immer auf die Zukunft. Vor der Vergangenheit muss ich keine Angst mehr haben. In der Gegenwart spielt sie eine Rolle, wenn wir momentan einer Gefahr gegenüberstehen. Ob die Angst vor einer Bedrohung ihre Berechtigung hat oder nicht, werden wir erst in der Zukunft herausfinden.

Gefühl mit biologischem Ursprung

Thomas Lorenzen erläutert die Hintergründe von Angst aus der Perspektive der Neurobiologie. „Angst im Gehirn ist ein sogenannter inkohärenter Zustand. Man kann das mit einem Bienenschwarm vergleichen. Im Ruhezustand verhält er sich still. Kommt allerdings ein Impuls von außen, wird er zu einem chaotischen, teilweise aggressiven Gewimmel. Sein Zustand ändert sich von kohärent zu inkohärent.“ Inkohärentes Gewimmel koste sehr viel Energie. Das Gehirn jedoch sei stets darum bemüht, möglichst wenig Energie zu verbrauchen, so Lorenzen. Deshalb will es die Angst auf irgendeinem Weg loswerden – manche wählen die Vermeidung, andere verfallen in Über-Aktivität oder das Nichts-Tun. Erst wenn der kohärente Zustand wieder erreicht sei, ist ein Lernprozess möglich. Insofern stellt sich die Frage: Welchen Zweck hat die ständig gegenwärtige Besorgnis, der sich viele in der jetzigen Zeit multipler Krisen ausgesetzt sehen?

Angst als Grundgefühl verankern

Bei der ständigen Gegenwart von Bedrohungen, so beobachtet Thomas Wehrs, „wird heute oft ein Sündenbock gesucht. Wir wollen nicht so viel Energie aufwenden und stürzen uns auf die nächstbeste Erklärung“, sagt der Coach. Das Gehirn läuft auf Sparmodus. Denn wenn es an Energie fehlt, funktionieren bestimmte Hirnareale nicht mehr und wir greifen auf alte Muster zurück – die uns nicht immer dienen.

„Wo die Angst ist, ist mein Weg. Dort habe ich meine nächste Lektion zu lernen“, hat Thomas Wehrs in seiner Tätigkeit als Coach und Berater gelernt. „Ich kann die Angst ernst nehmen, sie mitnehmen, sie als Indikator nutzen statt davonzulaufen“, erklärt der Transaktionsanalytiker. Der Ansatz arbeitet mit der sogenannten Introversion, erklärt Kollege Thomas Lorenzen: „Wir nähern uns der Angst, gehen einen Schritt weg, dann wieder näher ran, bis wir den Umgang mit diesem Gefühl nachhaltig in unserem Erwachsenen-ich verankert haben.“

Täglicher Umgang mit Besorgnis

Bei der Arbeit mit herausfordernden Situationen lernen wir, sie in der Zukunft zu meistern. Ohne Angst können wir nicht lernen und unsere Erfahrungen erweitern. Sie gibt uns nämlich einen Hinweis auf unsere Lernbereiche. Täglich den Auslösern von Besorgnis ausgesetzt zu sein, gehört zu diesen Situationen. Wer sich von Schlagzeilen und Aufmachern immer wieder aufs Neue bedroht fühlt, hat hier eventuell ein paar Hausaufgaben zu erledigen.

Was wirklich helfen kann, ist den eigenen Umgang mit der Angst zu finden und den im Erwachsenen-Ich zu verankern. Wie gelingt das? Die beiden Transaktionsanalytiker Thomas & Thomas geben dazu einige Tipps:

  • Fasse Angst weniger als Tugend (z.B. Jungen weinen nicht), sondern eher als Grundgefühl mit Daseinsberechtigung auf
  • Nimm dir bewusst Zeiten der Ruhe, des Alleinseins und Nichtstuns, um deiner Bedürfnisse gewahr zu werden
  • Verbringe Zeit mit Menschen und Tätigkeiten, die dir guttun, die Angst zulassen und Kraft geben – nicht nehmen
  • Unterscheide zwischen Impulsen von außen, auf die du Einfluss hast und solche, auf die du keinen Einfluss hast
  • Selektiere die Kanäle, über die du dich informieren möchtest und in welchem Umfang. Es ist in Ordnung, mal eine Zeitlang keine Nachrichten zu hören oder zu sehen

Möchtest du dein eigenes Verhältnis zu Sorgen und deren Auslösern erkunden? Hast du Lust, dich auf eine Reise der persönlichen Weiterentwicklung zu begeben? Dann sprich uns direkt an oder schau bei unseren Weiterbildungsangeboten vorbei und lass dich inspirieren.

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